Vorbereitung zur Abschlussfahrt Prag · Stunde 1
Wichtig: Karten können Quelle ODER Darstellung sein – was ist diese Karte? Begründe kurz.
Beschreibe die geografische Lage Böhmens in Europa. Nenne mindestens drei Nachbarregionen oder Nachbarländer, die auf der Karte sichtbar sind.
Tipp: Nutze Himmelsrichtungen (nördlich, südlich, östlich, westlich).
Böhmen liegt im Herzen Mitteleuropas und bildet den westlichen Teil des heutigen Tschechiens. Es ist von Gebirgen umgeben, die natürliche Grenzen bilden.
Böhmen ist eine Beckenlandschaft, die von Mittelgebirgen (z.B. Böhmerwald, Erzgebirge, Riesengebirge) umgeben wird. Die Moldau durchfließt das Zentrum des Landes und mündet nördlich von Prag in die Elbe.
Karte oder Quelle? Diese moderne Karte ist eine Darstellung – sie wurde nicht zur beschriebenen Zeit, sondern von Kartografen für ein heutiges Publikum erstellt.
Prag liegt an einem wichtigen Fluss. Nenne den Flussnamen und erkläre, welche Bedeutung dieser Fluss für die Entstehung und das Wachstum der Stadt gehabt haben könnte.
Denke an: Trinkwasser, Handel, Verteidigung, Transport.
Prag liegt an der Moldau (tschechisch: Vltava), dem längsten Fluss Tschechiens.
Der Fluss hatte mehrere entscheidende Bedeutungen für die Entstehung und das Wachstum der Stadt:
Böhmen liegt im „Herzen Mitteleuropas". Erkläre, warum diese Lage in der Geschichte sowohl ein Vorteil als auch ein Nachteil für Böhmen war.
Überlege: Was bedeutet eine zentrale Lage für Handel, Kriege, Herrschaft?
Vorteile der zentralen Lage:
Nachteile der zentralen Lage:
Verknüpfe Karte und Vortrag: Nenne zwei Ereignisse aus dem Lehrervortrag, die mit der geografischen Lage Böhmens oder Prags zusammenhängen. Erkläre den Zusammenhang jeweils in einem Satz.
Schaue auf den Zeitstrahl oben und denke an das, was im Vortrag besprochen wurde.
Es gibt viele mögliche Antworten – hier zwei gut begründete Beispiele:
Auch andere Ereignisse (z.B. Hussiten, Gründung der Tschechoslowakei) sind möglich, wenn der Zusammenhang mit der Lage überzeugend erklärt wird.
Beide Textgattungen müssen kritisch gelesen werden – Quellen zeigen eine Perspektive, Darstellungen treffen Auswahl und Wertungen.
Karl IV. (1316–1378) gilt als der bedeutendste Herrscher Böhmens. Als Kaiser des Heiligen Römischen Reiches und König von Böhmen machte er Prag zur Kaiserresidenz und damit zur bedeutendsten Stadt nördlich der Alpen.
Im Jahr 1348 gründete Karl IV. die erste Universität Mitteleuropas in Prag – die Karlsuniversität, die bis heute existiert. Im selben Jahr ließ er die Prager Neustadt planmäßig anlegen und begann mit dem Bau der berühmten Karlsbrücke (fertiggestellt 1402). Den Veitsdom auf dem Hradschin ließ er zur gotischen Kathedrale ausbauen – sie sollte die Grablege der böhmischen Könige werden.
Mit der Goldenen Bulle von 1356 schuf Karl IV. eine Art Grundgesetz für das Heilige Römische Reich: Sie regelte die Wahl des Kaisers durch sieben Kurfürsten und wurde von Prag aus verkündet. Prag war damit nicht nur geografisch, sondern auch rechtlich und politisch das Zentrum Europas.
Historiker bezeichnen Karls Regierungszeit als das „Goldene Zeitalter" Böhmens. Die Bevölkerung Prags wuchs auf über 40.000 Einwohner – sie war damit eine der größten Städte Europas.
Nenne drei konkrete Bauwerke oder Einrichtungen, die Karl IV. in Prag gründete oder ausbaute. Erkläre kurz, welche dieser Bauten ihr auf der Abschlussfahrt besuchen werdet.
Karl IV. gründete oder baute folgende Werke aus:
Auf der Abschlussfahrt werdet ihr voraussichtlich die Karlsbrücke (zu Fuß überqueren) und den Veitsdom / Hradschin besuchen.
Erkläre in eigenen Worten, warum Historiker Karls Regierungszeit als „Goldenes Zeitalter" Böhmens bezeichnen. Nenne mindestens zwei Gründe.
Tipp: Denke an Politik, Kultur und die Bedeutung Prags für ganz Europa.
Historiker sprechen von einem „Goldenen Zeitalter", weil Böhmen und Prag unter Karl IV. in mehrfacher Hinsicht eine Blütezeit erlebten:
Handelt es sich bei Text A um eine Quelle oder eine Darstellung? Begründe deine Antwort mit einem konkreten Merkmal des Textes.
Erinnerung: Eine Quelle stammt aus der beschriebenen Zeit. Eine Darstellung wurde später von Historikern verfasst.
Text A ist eine Darstellung.
Begründung: Der Text wurde nicht im 14. Jahrhundert, sondern von Historikern für ein heutiges Publikum verfasst. Das erkennt man an mehreren Merkmalen:
Am 28. Oktober 1918 riefen die tschechischen Nationalräte in Prag die Tschechoslowakische Republik (ČSR) aus. Der Erste Weltkrieg hatte das Habsburger Kaiserreich zerstört, und auf seinen Trümmern entstanden neue Nationalstaaten.
Erster Staatspräsident wurde Tomáš Garrigue Masaryk (1850–1937), Philosoph, Politiker und Kämpfer für die Unabhängigkeit seines Volkes. Masaryk hatte während des Krieges im Exil für einen eigenen tschechoslowakischen Staat geworben und die Großmächte von der Idee überzeugt.
Die neue Republik war ein demokratischer Rechtsstaat mit Verfassung, Parlamentswahlen und Pressefreiheit. Sie war die einzige stabile Demokratie in Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit. Wirtschaftlich gehörte die ČSR zu den fortgeschrittenen Industriestaaten Europas.
Doch die neue Republik stand vor schwierigen Herausforderungen: Sie umfasste nicht nur Tschechen und Slowaken, sondern auch rund 3 Millionen Deutsche (die sogenannten Sudetendeutschen), Ungarn, Polen und andere Minderheiten. Das Zusammenleben dieser Gruppen sollte in den 1930er Jahren zur entscheidenden Schwäche des jungen Staates werden.
Erkläre, warum die Tschechoslowakei 1918 als Erfolgsgeschichte, aber gleichzeitig auch als fragiles Gebilde bezeichnet werden kann. Beziehe dich dabei auf konkrete Aussagen aus dem Text.
Tipp: Suche nach Stärken UND Schwächen der neuen Republik.
Erfolgsgeschichte: Die ČSR war ein demokratischer Rechtsstaat mit Verfassung, Parlamentswahlen und Pressefreiheit – in einer Zeit, in der viele europäische Länder zu Diktaturen wurden. Sie war laut Text „die einzige stabile Demokratie in Ostmitteleuropa der Zwischenkriegszeit" und wirtschaftlich fortgeschritten.
Fragiles Gebilde: Gleichzeitig war die Republik multiethnisch – neben Tschechen und Slowaken lebten rund 3 Millionen Deutsche (Sudetendeutsche), Ungarn, Polen und andere Minderheiten im Staat. Der Text deutet an, dass „das Zusammenleben dieser Gruppen in den 1930er Jahren zur entscheidenden Schwäche des jungen Staates" wurde.
Im letzten Absatz des Textes heißt es, das Zusammenleben der Bevölkerungsgruppen sei „zur entscheidenden Schwäche des jungen Staates" geworden. Stelle eine Vermutung an: Was könnte damit gemeint sein? Was könnte daraus folgen?
Diese Frage bereitet euch auf die nächste Stunde vor.
Der Text spielt auf das Sudetendeutsche Problem an: Die rund 3 Millionen Deutschen im Randgebiet der Tschechoslowakei (Sudetenland) fühlten sich als Minderheit im neuen Staat benachteiligt. In den 1930er Jahren nutzte das nationalsozialistische Deutschland unter Hitler diese ethnischen Spannungen aus.
Mögliche Folgen:
Das ist das Thema eurer nächsten Geschichtsstunde!
Verbinde beide Texte: Welcher Zusammenhang besteht zwischen dem „Goldenen Prag" Karls IV. und der Tschechoslowakei von 1918? Was verbindet diese beiden Epochen – und was trennt sie?
Beide Epochen verbindet, dass Prag jeweils zum politischen und kulturellen Mittelpunkt eines bedeutenden europäischen Staatsgebildes wurde: im 14. Jahrhundert als Residenz des Heiligen Römischen Reiches unter Karl IV., im 20. Jahrhundert als Hauptstadt der Tschechoslowakischen Republik. In beiden Fällen stand Böhmen im Schnittpunkt verschiedener Völker und Kulturen – damals Deutschen, Böhmen und anderen Gruppen im Reich, 1918 Tschechen, Slowaken, Sudetendeutschen und weiteren Minderheiten.
Was die Epochen jedoch trennt, ist das politische System: Während Karl IV. als Monarch über ein ständisch gegliedertes Reich herrschte, gründete die ČSR 1918 auf dem Prinzip der Demokratie und nationalen Selbstbestimmung. Außerdem war das „Goldene Prag" eine Zeit innerer Stabilität, während die ČSR von Anfang an mit dem ungelösten Minderheitenproblem kämpfte, das sie letztlich zerstörte.